Intensive Care, Programm

Intensive Care Kollektive Intimität in Zeiten pan­de­mischer Isolation

Das Kollektiv SEXES entwickelte eine Installation und ein kuratiertes Programm innerhalb des Pop-Kultur Festivals. "Intensive Care" entstand als direkte Reaktion auf die räumlichen und zeitlichen Verschiebungen der Pandemie - auf die gesellschaftliche Reorganisation und die neue Vermischung von persönlichen und öffentlichen Räumen.

In kollaborativer Zusammenarbeit mit anderen Musikerinnen und Künstlerinnen untersuchte das Kollektiv neue Räume und Rituale. Alle Performances, Lectures und Workshops des Programms kreisten um die Selbst- und Nächstenhilfe und versuchten Horizonte des Möglichen zu öffnen. Musikalisch und kuratorisch orientierte sich das Programm an langsamen, ambient-nahen Strukturen und Themen von Embodiment und Körperübungen, die die zeitliche Dehnung und Verdichtung der Lockdown-Erfahrung reflektierten.

In dem vom Kollektiv konzipierten Raum verteilten sich Besucherinnen und Künstlerinnen auf verschiedene, von durchsichtigen Plastikzwischenwänden abgegrenzte Zellen. Diese räumliche Anordnung erinnerte sowohl an temporäre medizinische Räume als auch an improvisierte Home-Office-Setups. Durch die Aufteilung in abgetrennte Zellen wurde normalerweise private Erfahrung - das Hören und Erleben von Musik - für andere sichtbar. Gleichzeitig führte der ständige Wechsel der Besucher*innen zwischen den Bereichen zu einer konstanten Durchmischung, die konsequent mit althergebrachten Aufführungshierarchien brach.

Selbstgebaute Computer und Überwachungskameras integrierten die Körper der Besucherinnen und Performerinnen über Monitore in den Raum - eine Ästhetik der Isolation, die gleichzeitig Schutz und Überwachung suggerierte. Die komplette technische Infrastruktur - PA-Anlage, Beamer, Lautsprecher, Computer und Monitore - wurde auf modularen Elementen installiert. Diese Bauweise ermöglichte es, die Atmosphäre flexibel an die jeweiligen Bedürfnisse der unterschiedlichen Performances anzupassen und verzichtete bewusst auf eine traditionelle Bühnensituation.

Das Projekt versuchte den durch die Pandemie gesellschaftlich noch stärker als bisher isolierten Bereich intensiver Pflege produktiv erfahrbar zu machen - von Musikacts über Körperübungen bis hin zu Diskussionsrunden überlappten sich verschiedene Kunst- und Aufführungsformen.

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SEXES ist eine kollektive Zusammenarbeit mit Florian Meyer, Marco Beutikofer und Lotte Meret Effinger, die aus dem Clubraum entstanden ist und rituelle Aspekte zeitgenössischer Kultur analysiert sowie hybride Raumkörper entwickelt, um sozio-ökonomische Fragestellungen abzubilden.

Technik

  • PA-Anlage
  • Mixer
  • Zwei Mikrofone
  • Projektor
  • Weitere elektronische Geräte
  • Drei selbstgebaute Computer
  • Drei Überwachungskameras
  • Drei Monitore für Kameraübertragung und Programminformationen

Raum & Material

  • Raumaufteilung durch Vorhänge in einzelne Kabinen
  • Mobile Stahlkonstruktionen (geschweißt und modifiziert), je 2 x 1,5 m
  • Monitore mit Computern auf Stahlkonstruktionen (jeweils dreimal)
  • PA-Anlage, Mixer, Mikrofone auf fahrbaren Stahlkonstruktionen der Anlage angepasst
  • Teppich ausgelegt auf Tanzboden

Mitwirkende

  • Günter Schickert, Konzert
  • Grazyna Roguski, Performance
  • Soft Agency, performativer Vortrag
  • Deniz Yenimazman, Vortrag
  • Konduku, Konzert
  • Yoggaton Workshop w/ Maque Pereyra
  • Marylou, DJ-Set
  • Lonely Boys, Konzert
  • Sabiwa, Installation, gestreamtes Konzert